Die Grenzen - Eine Odysee
Einreise nach Israel und Jordanien - kein Reisebericht, der Bericht einer Odysee
Teil I - Der Zoll in Ashdod – oder (frei nach „Asterix erobert Rom“) – „Gehen Sie in das Haus, in dem man blöd wird“
Dienstag 18.12.2012
6.00h, der Wake Up Call erfolgt durch heftiges Pochen an der Tür. Kurzer Blick auf Marinetraffic.com“. Jens ist mit unserem Mobby bereits um 4.30 Uhr angekommen. Also, kein Frühstück, nichts wie hin zum Hafen. Bestimmt ist er schon durch den Zoll und wartet auf uns. Um 7.15h sind wir dort. Nur, wohin? Zu dem Gate 2, wo die Fahrzeuge raus kommen natürlich, wohin denn sonst – denkt man sich so, europäische Zollabwicklung vor Augen habend. Kurze SMS – wir sind da. Rückantwort – bin noch auf dem Schiff, kann noch dauern.
Ach so, Zollabwicklung an Gate 3. Luftlinie 100m, Null Problemo. „Ralf, warte mal mit dem Gepäck, ich hole kurz Jens ab. Die 100m Luftlinie werden durch eine unendliche Menge an Stacheldrahtzäunen zur Wanderung, nicht unbedingt dadurch erleichtert, dass alle Hinweise in Hebräisch stehen.
I´ve got it – Gate 3. Mehrere mehrstöckige Gebäude, grr, wo soll ich denn da jetzt wieder hin. Ein etwas schräg aussehender Typ kommt auf mich zu – „ob ich den Toyota oder der Polo habe? Hää, woher weiß der das denn???. Er schleppt mich zur Spedition, die die Abwicklung macht. O.k., also nicht ganz falsch.
Dort liegen die Papiere von 2.600 (!!!) Fahrzeuge (alle vom selben Schiff) auf dem einen Stapel, und zwei auf dem anderen, ein Polo aus Deutschland und unser Mobby, Super organisiert, man erwartet uns bereits. Wozu brauche ich also ChouChou?
Also, sagt mir Ben, der Manager von Alloufs in einigermaßen passablem Englisch. du kannst die Abwicklung alleine machen, wird etwa 6h dauern. Oder du machst sie mit Chouchou, er ist der Beste, dann bist du nach 2h durch. Ashdod ist übrigens vom Zoll her der schlimmste in Israel“. Er deutet an, dass er gerne Worte gebrauchen möchte, die ihm seine Kinderstube aber verbieten.
Soll ich das glauben? Die zahlreichen hebräischen Schriftzeichen und den Irrweg allein zu Gate 3 vor Augen entschließe ich mich, für 400 Schekel (80 Euro) die Dienste von Chouchou in Anspruch zu nehmen. Papiere, Papiere, Papiere. Oh, we have a problem. Car registered on your name but on passenger list car registered on your son’s name. No immigration for car”
Gaaanz ruhig bleiben…, Mitteilung nach Monfalcone, Italien (Abfahrtshafen), sie sollen die Registrierung des Fahrzeugs auf meinen Namen ändern. Ruck Zuck, also etwa 3h später, ist dies auch schon erledigt. Chouchou kennt hier wirklich jeden Torpfosten mit Namen (und vice versa) und es gelingt ihm, zumindest Jens vom Schiff zu holen, Ralf ist auch inzwischen da, und so sind wir zumindest wieder beisammen. Nur unser Mobby fehlt noch.
Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit dem Warten vor unzähligen Büros. Dem Fass den Boden ins Gesicht schlägt dann aber so gegen 15.00h die Dame (nein, nicht wirklich Dame) vom Zoll. „You need a special immigration confirmation. As you arrived at the airport you have to get this from the Mnistery of Internal Affairs. Closed Today, but open tomorrow. We close now. And car has to go to X-Ray check and, and and… very, very long procedure…” Meine Gedanken kreisen um mittelalterliche Foltermethoden für Hexen.
Also, Übernachtung in Ashdod, ein Freund von Chouchou bringt uns zu einem bezahlbaren Hotel.
Mittwoch 19.12.2012
8.00 Uhr, selber Ort, selbes Spiel. Chouchou wartet und ab mit dem Taxi zum „Minstery of Internal Affairs“. Dort erwartet uns ein freundlich, handschriftlich hingeschmiertes Schild (in hebräisch UND englisch) an der Tür: „Heute bis 14.30h geschlossen“. Chouchou kennt aber auch hier alle und jeden und in einem unbeobachteten Augenblick öffnet sich die Tür und 5 Minuten später habe ich die ersehnte Bestätigung und zurück zum Hafen. Chouchou ist Gold Wert.
Die Hexe vom Vortag ist heute nicht da (wusste wohl, dass ich sie hinter der nächsten Ecke meuchle...), dafür ein Zollbeamter (Manager...). Mit ihm geht es schon besser, aber dafür ist er struntzdumm. Beim letzten Intelligenzwettbewerb hat er den zweiten Platz belegt, der erste Platz ging an Brot ...Jetzt ist er seit 1 1/2h irgendwo unterwegs um etwas „wegen Kaution für das Fahrzeug“ zu klären. Etwas, was gar nicht zu klären ist. Jeder afrikanische Hilfs-Zollbeamte weiß, was ein Carnet de Passage ist, nur der Trottel nicht. Unabhängig davon ist nach weltweitem Zollabkommen Israel kein Carnet-pflichtiges Land. Aber das zu erklären, würde seinen nicht vorhandenen Intellekt nur noch weiter überfordern.
Er meint aber, um 13.00 Uhr wären wir fertig und wir müssten auch sofort nach Eilat zur Ausreise nach Jordanien reisen. Hat der ein Rad ab ?? Wir dürfen 90 Tage in Israel bleiben. Er besteht auf der sofortigen Weiterreise nach Jordanien und nach den Erfahrungen habe sehne ich mich auch nur nach dem Schild „Sie verlassen Israel“ – wobei ich dem Land und den Menschen aber wirklich unrecht tue. Um 13.00 Uhr sind wir auch wirklich fertig – bei ihm. Und vorläufig. Nun zum X-Ray, das Fahrzeug soll geröntgt werden. Haben die Angst, dass unser Mobby TBC hat??
Zuvor zur Security, ALLES Gepäck ausladen und jede, wirklich jedes Gepäckstück wandert ebenfalls durch ein Röntgengerät. Den jungen Frauen von der Security ist das auch schon super peinlich, „We are really sorry - but it is the process“ . Als sie in unserer Dachbox „verschwindet“, um sie auf doppelten Boden zu prüfen fragt sie noch, ob ich davon nicht ein Foto machen möchte. Break the Ice – alles wird gut.
Um 15.00 Uhr ist auch das geschafft und Mobby als TBC frei vom Röntgen zum Sonderpreis von 200 Euro () entlassen. Noch 1h, dann legt sich der Zoll wieder zum unverdienten Feierabend. Also, zurück zum Dummkopf vom Zoll. Noch zweimal durch den Hafen gerannt, Gepäck aufgeladen, das Auto geholt. Um 16.10 habe ich die Papiere. Ahh, noch nicht fertig – wäre ja auch verwunderlich gewesen. Hafengebühren bezahlen. Beschwingt geht es weiter – weil weitere 250 Euro erleichtert – um die Schnarchnasen am Hafen zu finanzieren. Geschafft!
Chouchou wird sauer, ich versteh kein Wort, aber noch etwas fehlt. Aah, natürlich Stempel Nummer 97A auf Formblatt 678 in der Version b. Büro seit 10 Minuten offiziell geschlossen – aber es ist noch jemand da. „Sorry, it is ilegal to give you the stamp after official working hours. Come tomorrow“. Meine Gedanken kreisen um explodierende Zollgebäude in Ashdod.
Chouchou wäre nicht Chouchou, wenn er nicht auch hier eine Lösung hätte. Er ruft einen Freund mit „Stempelbefugnis“ an. Der ist zwar schon lange zuhaue, kommt aber vom Abendessen zu Hause nochmals kurz zurück zum Zoll gefahren und haut 7 Stempel auf irgendein weiteres Blatt.
18.00h, einen halben Anhänger voll Papiere fahren wir zur Hafenausfahrt, noch 23 Stempel. Ich mag es nicht glauben – wir sind frei !!!!
Fazit: Einreise mit Fahrzeug und Schiff über Ashdod nur unter Androhung schwerster körperlicher Gewalt. Es gibt andere Wege und wir werden später darin bestätigt, dass wahrscheinlich alle anderen besser gewesen wären. Das ursprünglich geniale Konstrukt beginnt, seine Genialität zu verlieren.
Wir beladen unseren Mobby im inzwischen verlassenen Zollgebäude. Mit der Verspätung des Schiffes und den Zollformalitäten haben wir bevor es überhaupt los geht schon 5 Tage verloren so fahren wir noch in der Nacht die 350 km nach Eilat am Roten Meer und eröffnen unser „Hotel Mobby“ gegen 01.00h, wild romantisch auf einem Parkplatz 100m vom Grenzübergang nach Jordanien.
Einreise Jordanien – Leichte Panik und Alptraum Teil II
Donnerstag 20.12.2012
06.30h – Wir stehen an der Grenze und es dauert keine halbe Stunde, da sind wir aus Israel entlassen. Einreise nach Jordanien, Stempel hier, Stempel dort, Versicherung abschließen – alles super schnell, super freundlich – Wohlwollen kommt auf. Bis zum letzten Schritt, das Visum. Wo sind die Stempel aus Israel? Ohne Israel Stempel oder Unterlagen – keine Einreise.
Worin lag das Problem: Wir reisen mit zwei Reisepässen – einem Jungfräulichen, für die Reise durch Israel und unserem „Normalen“, mit all den Visa für die Weiterreise. Die Gefahr, dass uns in einem unbemerkten Augenblick einer der unendlich vielen Beamten an einem der genauso unendlich vielen Zollbüros einen Israelischen Stempel in den Pass macht, ist zu groß. Ein Israelischer Stempel im Pass wäre das sofortige Ende, denn uns würde die Einreise nicht nur in den Sudan sofort verweigert werden und unsere Tour hätte ein rasches Ende. So sind wir also mit dem einen Pass aus Israel ausgereist und wollten mit dem anderen nach Jordanien einreisen. Ein Prozess, der in ähnlicher Form schon zigmal geklappt hat – aber heute war nicht unser Tag. Die Jordanier machen noch Kopien von unseren Pässen und meinen, wie sollen zurück nach Israel, und uns die Ausreisebestätigung holen.
Nur wie – wir sind ja mit einem anderen Pass in Israel registriert. Und zwei Pässe zu haben nehmen manche Länder Sau übel. Der Gedanke, hier irgendwo wegen eines Passvergehens in einer Zollstation festgesetzt zu werden, ist nicht wirklich erfrischend. Wir flüchten uns zuerst einmal ins Niemandsland zwischen die Grenzen. Was tun?
Wer kann helfen – im Notfall die Botschaft. Also, Anruf bei der deutschen Botschaft in Tel Aviv und unser Missgeschick erklärt. „Kein Problem, das kennen wir. Die Israeli wissen um die Problematik und dass viele mit zwei Pässen reisen. Gehen Sie zu den Israeli und erklären sie das Dilemma, die werden das verstehen und Ihnen helfen“. Mit mulmigem Gefühl im Magen wackle ich zu einer Grenzbeamtin und erzähle das Problem mit den zwei Pässen.
„No Problem, we understand the Problem and we solve this for you“. Ich bin baff. 20 Minuten später halten wir eine Bestätigung in Händen, die die Ein- und Ausreise mit der Passnummer unseres Hauptpasses bestätigen (also den, mit den Visa und den die Jordanischen Behörden bereits gesehen und kopiert haben). Der Weg ist frei.
Hatte ich erwähnt, dass die Israeli immer und überall unglaublich freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit sind? Nur das Zollamt am Hafen von Ashdod – das sollte mal jemand zuschei…
Zu unserem Glück fehlt uns nur noch das Saudi-Arabien Visum. Das sollen wir ja nach Auskunft der Saudi Botschaft in Berlin bei der Botschaft in Amman bekommen. Alle Unterlagen wären dort (bemerkt ihr den Konjunktiv …) 330km. 4h Zeit, Autobahn, das sollte gehen.
Um 14.00 Uhr erreichen wir im Trubel von Amman die Botschaft. Um 15.00h sollte sie schließen, niemand mehr da und die nächsten zwei Tage (Freitag und Samstag) ist Wochenende. Heimische Gefühle kommen auf – Freitagmittag um 12.00h vor einer deutschen Behörde. Ein freundlicher Mitarbeiter Botschaft nimmst sich dennoch unserer an, gibt uns seine Telefonnummer und wir sollen ihn am Sonntag anrufen. Er würde sich gleich darum kümmern.