Freitag, 11.01.2013

Nach einer Übernachtung in Debre Markos geht es gewohnt früh morgens mit dem ersten Aufkommen des Tageslichts weiter. Nach zwei Stunden Fahrt lädt uns ein Straßencafe zum Frühstück ein. Es wird zu einer Herausforderung, denn hier geht mit keiner der uns irgendwie bekannten und auch nur andeutungsweise gängigen Sprachen irgendetwas. Von den Schriftzeichen wollen wir gar nicht erst anfangen. Und das Cafe ist in den frühen Morgenstunden noch menschenleer und der Magen knurrt. Der Versuch, in der Küche zu zeighen, was wir gerne hätten, scheitert kläglich. Es steht noch nichts in den Kochtöpfen. Erlösung kommt nach geraumer Zeit in Form einer Gruppe gutgekleideter Männer. Wir sind hier die absoluten Exoten, denn außer einigen geführten Touristentouren und Fahrzeugen der UN kommen hier wahrscheinlich pro Woche höchstens 1-2 Fahrzeuge mit bleichgesichtigen Langnasen durch. Und so kommt auch gleich einer der Herren auf uns zu, und bietet uns in perfektem Englisch seine Hilfe an. Er erzählt uns, dass er Arzt ist und viele Jahre für das Hilfswerk der Vereinten Nationen gearbeitet hat und in diesem Zusammenhang auch schon in Deutschland war. Nach zahlreichen Tipps zu Verhaltensweisen und medizinischen Ratschlägen, wie wir das Wohlbefinden unserer Magen- und Darmflora nicht zu sehr gefährden, bestellt er für uns: Mit Ei, pürierten Bohnen und Kichererbsen, Kartoffeln und dem einheimischen Brot (Injira) wird es ein Frühstück vom Feinsten. Der Versuch, sich die einzelnen Namen zu merken, bleibt allerdings beim Versuch.

Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir Addis Abeba. Wir sind vom modernen Erscheinungsbild überrascht. Breite Boulevards durchlaufen die Stadt, moderne mehrstöckige Gebäude finden sich neben traditionellen ein- oder zweistöckigen Häusern, offenen Plätzen und Waldgebieten, und der Verkehr ist zumindest für afrikanische Verhältnisse irgendwie so etwas wie zumindest ein wenig geordnet. Aufgrund der hohen Lage 2.300m über N.N. ist das Klima in Addis Abeba eher mild.

Aber Addis Abeba hat auch noch ein anderes Gesicht, das sich abseits der Geschäftsviertel zeigt. Als die Stadt vor 30 Jahren stark zu wachsen begann, kam die Versorgung mit Wasser und Elektrizität dem nicht nach. Heute müssen hunderttausende Menschen ihr Wasser von Verteilstellen holen und haben, wenn überhaupt, in einigen hundert Metern Entfernung eine öffentliche Latrine. Eine Kanalisation gibt es nur für 200.000 der etwa 3,5 Millionen Einwohner.

Wie uns schon Tim & Kim am Lake Tana erzählten, ist die Stadt trotz der Armut verhältnismäßig sicher. Es gibt nur wenig schwere Kriminalität. Und dass man in der Nacht unbeleuchtete Straßen und das eine oder andere Stadtviertel meiden sollte, ist kein Spezifikum von Addis. Lediglich Taschendiebstähle oder deren Versuch sind allgegenwärtig. Die Straßen sind relativ sauber. Dies liegt allerdings weniger an einer organisierten Straßenreinigung, als vielmehr daran, dass es einfach nicht viele Abfälle gibt, statistisch nur 150 g pro Tag und Einwohner. Alles wird wiederverwertet, und wenn es organische Abfälle gibt, dann werden diese von den Ziegen gefressen.

Unser Ziel in Addis Abeba ist Wims Holland House, der Treffpunkt für alle, die hier auf der Durchreise sind. Hier werden die letzten Informationen zu Strecken und Straßenzuständen ebenso ausgetauscht, wie Fahrgemeinschaften für die Abgelegenen Gebiete gebildet. Wir erreichen Wims Holland House bereits gegen 15.00 Uhr, und da es zu spät ist, um noch Addis zuu erkunden, aber eigentlich zu früh, um den Tag insbesondere unserer knapp werdenden Zeit (wir haben ja durch unseren Umweg über Ägypten über eine Woche Zeit verloren) beschließen wir, nach Absprache einiger Organisatorischer Punkte, noch Butajira, etwa 130km südlich gelegen zu fahren.