Montag, 03.06.2013
Immer tiefer in das neue Abendteuer. Um 6 Uhr aufgestanden. Ich weiß, einer für bayerische Studenten unzumutbare Zeit! Unseren Kompass haben wir in Richtung Kleinstadt Jinka gestellt, wohin es nach Aussage eines freundlichen in Sodo lebenden Herren und unserem Kartenmaterial gut 200km auf neu asphaltierter Straße sind. Ergo – der Plan war es, um Mittagszeit in Jinka anzukommen, um noch Mamo einen wirklich hervorragenden Guide vom letzten Mal wieder zu treffen und die nächsten Tage mit ihm zu reisen.
Das Ende vom Lied war jedoch, dass wir recht schnell feststellen durften, dass die Straße viel mehr ein ausrangierter Feldweg ist, der von den Einheimischen als Weidestraße für ihr Vieh ausgiebig genutzt wird und dazu noch mit dem Specialfeature „Straßenlöcher“ ausgestattet ist. Vorrankommen war daher eher nur bei einem Durschnitt von 30km/h möglich. Hier ist es durchaus üblich, dass die Straße einfach Mal von gut 250 Rindern blockiert wird und es ein bisschen braucht bis sich die Herde dazu breitschlagen lassen etwaigen Autos, von denen hier ausgesprochen wenige Unterwegs sind den Weg freizugeben.
Dafür das große Pro: Mehr äthiopische Kultur ist wirklich kaum möglich. Wir sind mitten drinnen! Hier erleben wir hautnah wie das Leben der meisten Äthiopier aussieht: Das Leben ist geprägt von der Viehzucht, dessen Vieh täglich zu neuen Gräsern weitergeführt wird. Das einzigartige „Juju“-Erlebnis genießen wir auch wieder Als Weißer bist du für die Einheimischen auf dem Land jemand aus einer anderen Welt. So kommen vor allem Kinder aus allen Büschen und Bäumen neben den Straßen rausgerannt und begrüßen dich mit wilden „Juju! you you!“- Rufen, wenn man in vermeintlicher Einsamkeit eine Pause macht oder einen Baum als „Entsafter“ First-Class Toilette missbraucht. Aber dennoch alle immer sehr freundlich und nett zu uns. Nicht wie z.B. in Ägypten, wo die Leute viel „Penetranter“ sind. Man kann sich ohne Probleme auch in kleinen Ortschaften in ein einfaches „Restaurant“ setzen und den Mittagscafé genießen und wird in Ruhe gelassen wenn man möchte.
Die Menschen leben in einfachen Häusern. Wenn wir besonders freundlichen und netten Menschen begegnen und diese nicht anfangen zu betteln, also aus Neugierde kommen, schenken wir ihnen ein paar Kleinigkeiten aus unserer mitgebrachten Altkleidersammlung und du bist der neue Held des Tages für sie. Sie freuen sich sogar schon über eine einfache leere Plastikflasche. Diese Strategie verfolgen wir vor allem vor dem Hintergrund, betteln nicht zu unterstützen.
Der Ort Jinka ist zum Greifen nah und doch so fern. 9km vor Jinka wird die Straße auf einmal so Übel, dass eine richtige „Offroad-Tour“ startet und wir mit Low-Getriebe-Gang und Zentraldifferentialsperre den vor uns liegenden Berg erklimmen. Nach ca. 10 Minuten und den ersten 500 geschafften Metern kommt ein einfaches Moped entgegen und berichtet uns, dass die Straße die ganze Strecke so übel sei und praktisch nicht mehr befahrbar ist und es besser ist die „Bergumfahrung“ von 40km Länge zu nehmen. So drehen wir um und nehmen die etwas minder abenteuerliche Strecke, welche zwar in keiner unseren Karten eingezeichnet ist, uns aber dennoch mit Zusicherung der Einheimischen nach Jinka führt.
Es ist bereits Nachmittag und mit ein paar Stunden Verspätung treffen wir in Jinka einen strahlenden Mamo mit dem wir ein freundschaftlich-familiäres Verhältnis pflegen und uns die nächsten Tage bei den Besuchen der einheimischen Stämme wieder begleiten wird. Er hat sich schon Sorgen gemacht, da wir so lange gebraucht haben und Mangels Handyempfang nicht erreichbar waren. Aber, nach der Fahrerei erst Mal eine „Ziel-erreicht“-Cola und einen Entspannungskaffee!
Der Rest des Tages vergeht recht zügig mit der Tourplanung für die nächsten Tage, welche einheimischen Stämme wir diesmal besuchen möchten und den notwendigen Vorbereitungen, da wir ab darauffolgenden Tag uns für längere Zeit autark versorgen müssen und im Zelt übernachten werden. So hat die Plünderung des Lebensmittelmarktes nicht lange auf sich warten müssen.
Danach ging es Schraubarbeit, die sich gut mit dem Motto „Blödheit wird bestraft“ beschreiben lässt:
Wie wir gestern zufällig bei einem kleinen Witz feststellen mussten, haben wir in Addis Abeba das Dachzelt verkehrtherum auf das Dach geschraubt. Also mussten wir in den sauren Apfel beißen und das Zelt wieder demontieren und um 180° drehen. Eine Sch***-Arbeit, weil man einfach kaum an die nötigen Schrauben kommt und über 70kg wiegt. So kann man eben auch 2 Stunden verbringen. Unsaubere Arbeit wird eben irgendwann heimgezahlt.
Und dann geht es zum lang verdienten Abendbier und –essen mit Mamo.







