Sonntag, 06.01.2013
Nachdem dem in der Summe fast 10-tägigen Drama von unserer Ankunft in Assuan bis zur Anklunft in Karthum und bevor wir uns von Mazar verabschieden fragen wir ihn, woran denn das Problem liegt, auf dem Landweg von Ägypten in den Sudan zu kommen. Immerhin gibt es eine mehr als 1.000km breite Genze auf dem Land und auf beiden Seiten gibt es eine Straße, die bis auf wenige Kilometer an die Grenze heran reicht. Er erzählt uns, dass es prinzipiell möglich ist, von Ägypten in den Sudan auch auf dem Landweg zu kommen und dass er dies auch organisieren kann. Es bedarf allerdings einer Vorlaufzeit von etwa 3 Wochen und die Kosten liegen bei mindestens 1.000 Euro. Angesichts der Fährkosten für zwei Fahrzeuge und die verlorene Zeit eigentlich eine Alternative, aber: Hierzu muss bereits im Voraus der exakte Tag des Grenzübertritts festgelegt werden. Dann kommen ägyptische und sudanesische Zöllner an die Grenze gefahren, erledigen die Grenzformalitäten und es geht weiter. Kommt man nur einen Tag zu spät, ist das Ganze geplatzt. Das Problem scheint auf der ägyptischen Seite zu liegen – der Betreiber der Fährlinie über den Lake Nasser hat wohl exzellente Beziehungen in die ägyptischen Behörden hinein und so ist der Grenzübergang, der bereits seit 2009 vorgesehen ist, bis heute nicht eröffnet worden. Und so bleiben bis heute das Passagierschiff und die die Fähre die einzige Verbindungslinie von ganz Nordafrika in den Sudan….
Wir verabschieden uns herzlich von Mazar über den Dächern von Karthum und bereiten uns auf den Weg nach Meroe, 200km nördlich von Khartum, vor. An den dortigen Pyramiden wollen wir uns wieder mit Antonio und Angela treffen. Nicht ohne zuvor unseren Geldvorrat mit sudanesischen Pfund aufstocken zu wollen, aber
Es gibt kein Geld, im Sudan, es gibt kein Geld ….
Doch, es gibt Geld, aber nur gegen Cash. Zumindest für Ausländer, denn die in Khartum zahlreich vorhandenen Geldautomaten akzeptieren ausschließlich sudanesische Bankkarten und keine, aber wirklich keine der internationalen Kreditkarten. Der Sudan unterliegt wegen des Genozid im Dafur und den anhaltenden dramatischen Menschenrechtsverletzungen durch das Regime einem Boykott für alle Formen internationaler Finanztransaktionen mit der restlichen Welt – mit Ausnahm einiger weniger befreundeter Länder Afrikas mit gleichgesinntem Regime. Unser Bargeld muss also bis nach Addis Abeba in Äthiopien reichen, dem ersten Ort, an dem wir wieder mit einem Geldautomaten oder eine Wechselmöglichkeit mit irgendeiner Form von Kreditkarte rechnen können.
Wir verlassen Karthum um die Mittagszeit auf einer stark befahrenen Straße Richtung Norden. Es ist heiß – und der Verkehr ist afrikanisch: jeder fährt wo er will, keiner wo er soll, und alle machen mit – also auch wir.
Erst als wir Khartum bereits 100km hinter uns gelassen haben, wird es besser. Endlich raus aus dem Getümmel!
Am späten Nachmittag erreichen wir Meroe und treffen Antonio und Angela. Ein herzliches Wiedersehen. Wir bahnen uns unseren Weg quer durch die Dünen zu den Pyramiden und finden einen traumhaften Platz zum Übernachten – mit unverbaubarem Blick auf 2.500 Jahre Geschichte.
Ein vermeintlich einsamer Nomade zieht in der Abendsonne noch seinen Weg durch die Wüste, vorbei an den Pyramiden, die in der Abendsonne ein einzigartiges Flair ausstrahlen. Dass er doch nicht ganz so einsam ist, werden wir am nächsten Morgen merken…
Doch jetzt genug der Kultur, Antonio hat für das „Dessert Camping Dinner“ Holz organisiert, wir haben aus Khartum die Steaks mitgebracht.
Wir haben uns inzwischen auf 17 Grad nördliche Breite, also weniger als 2.000km, an den Äquator herangetastet. Sobald die Sonne verschwunden ist, wird es aber ziemlich schnell pfundig kühl und das Thermometer zieht sich auf deutlich einstellige Werte zurück. Dafür belohnt uns die Nacht mit einem unglaublichen Sternenhimmel – und Antonio mit zwei Flaschen italienischen Wein, die ihren Weg tief im Gepäck über die Grenze in den offiziell alkoholfreien Sudan gefunden haben.






